Seltene Orchideen für den Garten, Balkon oder kühlen Wintergarten. Große Blüten mitten im Winter. Haltung und Vermehrung einfach.

Pleionen sind die wohl am meisten unterschätzten Orchideen in Deutschland. In England dagegen werden sie seit Jahren kultiviert. Die Züchter dort übertreffen sich mit immer wieder neuen Farbvarianten und zeigen diese auf speziellen Ausstellungen. Die Engländer sind verrückt nach ihren windowsill orchids und sind bereit, für besondere einzelne Bulben 30, 50 oder sogar 70 Euro zu bezahlen.

Das ist auch kein Wunder: die Vermehrung geht meistens vegetativ vonstatten – das Aussähen wir eher selten praktiziert. Aussähen ist kompliziert bei Orchideen, geht nur in Vitro und unter Laborbedingungen, man kennt das ja von den Phalaenopsis. Vier Jahre braucht ein „Ableger“, bis er es zur ersten Blüte bringt.

Die Blüten der Pleionen sind allerdings sehenswert: mit ihren herrlichen großen Blüten in zahlreichen Farbvariationen verschönern sie uns manch trüben Wintertag. Von der Form und Größe her erinnern sie an Cattleya, die Blümchen selbst sind aber viel kleiner und zarter.

Wer sich für die farbenprächtigen großblütigen exotischen Orchideen auf der Fensterbank interessiert, der sollte sich auch mal mit Pleionen beschäftigen.

Pleione mandalay "Purple Rain" und Pleione Ueli Wackernagel "Perl" aus meiner Sammlung

Wie hält man Pleionen?

Die meisten Pleionen sind Frühjahrsblüher, es gibt aber einige wenige Ausnahmen, die im Herbst blühen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Frühjahrsblühern.

Wie immer bei Orchideen gilt auch bei Pleionen das Motto:

„Die erfolgreiche Haltung ist ganz einfach – wenn man weiß, wie es geht“.

Pleione Tamarin aus meiner Sammlung.

Pleionen werden auch Tibetorchideen genannt, weil sie ursprünglich aus dem Himalaya kommen. Sie lieben es feucht und vor allem kühl, deshalb sind sie während der Vegetationsperiode am besten draußen im Garten oder auf dem Balkon aufgehoben. Manche wildern ihre Pleionen aus und schützen sie im Winter vor Frost mit Abdeckungen, ich dagegen bevorzuge die Haltung in Töpfen und Schalen.

Der strenge Zyklus von Pleionen

Das Wachstum der Pleionen unterliegt einem strengen Zyklus, ähnlich der von Dahlien.

Pleione Bulben frisch gepflanzt

Januar bis März

Meistens kauft man die Bulben im Winter. Die setzt man so auf das Substrat, das mindestens zwei Drittel oben rausschauen – ähnlich wie bei Amaryllis.

Sind die Bulben im Substrat, stellt man sie hell und kühl. Bei frostfreiem Wetter können sie gerne in den Garten oder auf den Balkon. In England, wo immer noch Doppelglasscheiben verbreitet sind, stellt man sie in den Hohlraum zwischen die Gläser, daher kommt der Name „Windowsill Orchid“.

Jetzt noch nicht gießen! Die Pflanze ernährt sich aus ihrem Speichermedium, dem Bulben. Zuerst schiebt sie einen Stiel mit einer Knospe, aus der dann die Blüte hervorgeht. Jede Bulbe bringt etwa ein bis drei Blütestiele, an jedem Stiel wächst eine Blüte. Jede Blüte blüht etwa zwei Wochen lang. Da nicht alle gleichzeitig aufgehen, kann man auf etwa 3 bis 4 Wochen Blühzeit hoffen.

Pleione Tamarin in voller Blüte

April bis Juni

Nach der Blüte schiebt sie ein Blatt aus dem Blütenstiel. Erst, wenn das Blatt gut ersichtlich ist, beginnt man vorsichtig mit dem Gießen. Die Idee dahinter ist, dass die jetzt wachsenden Wurzeln „hungrig“ sind und sich besonders vielfältig ausdehnen.

Ab April oder Mai, wenn kein Frost mehr droht, stellt man die Pleionen nach draußen an einen kühlen, schattigen Ort. Sie lieben übrigens Sommerregen! Bitte oft gießen, am besten täglich, es sei denn, es regnet.

Ab Juni kann man vorsichtig düngen. Am besten mit Orchideendünger und dann nur die Hälfte von dem, was angegeben ist.

Pleionesammlung im Frühjahr nach der Blüte

Juli bis September

Jetzt kann man beobachten, wie sich die Erdorchideen vermehren: Aus dem alten Bulben kommen ein bis drei neue Bulben hervor und manchmal bilden sich oben auf dem alten Bulben noch kleine „Bulbillen“: Das sind so eine Art Brutzwiebeln, wie wir sie von anderen Pflanzen im Garten kennen.

Pleione Sammlung im Herbst kurz vor dem Einziehen

Oktober bis Dezember

Ab Oktober stelle ich meine Pleionen dann regengeschützt hin und gieße noch zweimal die Woche, im November stelle ich das Gießen ganz ein. Die Blätter werden gelb und fallen ab, der alte Bulbe ist schrumpelig und matschig.

Wenn das Substrat völlig abgetrocknet ist, nehme ich meine Bulben und Bulbillen heraus, denn es wird Zeit für das Winterlager.

Pleione Hybride, Eltern unbekannt

Pleionen überwintern

Man nimmt die Bulben vorsichtig aus der Erde und schneidet die alten Wurzeln auf etwa 1 Zentimeter ab. Der alte matschige Bulbe wird auch abgeschnitten, eventuell vorhandene Bulbillen ebenfalls abgetrennt. Manche behandeln die Bulben jetzt noch mit einem Mittel gegen Fäulnis. Wenn alles ganz trocken ist, legt man die Bulben und Bulbillen – nach Sorten getrennt – in Papiertüten oder alte Eierkartons. Beschriften nicht vergessen.

Sie müssen kühl und trocken lagern, Dunkelheit schadet nichts. Geeignet für die Überwinterung sind ein Schuppen, die Garage oder ein kalter Keller. Wer das alles nicht hat, legt sie einfach in das Gemüsefach vom Kühlschrank.

Es schadet nicht, hin und wieder mal nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist: durch Restfeuchte kann sich Schimmel bilden, den gilt es, zu entfernen, Schäden zu begrenzen und den Rest wieder gut zu lagern. Ab Januar oder Februar nimmt man sie dann wieder aus dem Topf und das Spiel beginnt von neuem.

Was mache ich mit den Bulbillen?

Die Bulbillen sind etwas heikel, aber die Anzucht lohnt sich auf jeden Fall. Entweder setzt man sie zwischen die großen Bulben in das neue Gefäß, oder man legt extra einen „Kindergarten“ an. Weil die Bulbillen viel kleiner sind als die Bulben, brauchen sie ein feineres Substrat, damit sie Halt haben. Hier hat es sich bewährt, auf das normale Substrat eine Schicht Sägemehl zu legen und darein die Bulbillen zu setzen. Ansonsten sind sie genauso zu halten wie die großen Bulben.

P. formosana semi alba
P. mandalay "Purple Rain"

Wie lange brauchen Bulbillen bis zur Blüte?

Im ersten Jahr bilden die Bulbillen zunächst ein Blatt aus, aus deren Stiel dann ein Bulbe entsteht. Im nächsten Jahr pflanzt man den Bulb, der wiederum ein oder manchmal auch mehrere Blätter ausbildet, an denen jeweils wieder ein Bulb wächst. Hier können sich auch schon wieder neue Bulbillen bilden.

So geht es immer weiter. Im vierten Jahr kommt es dann zur ersten Blüte – allerdings hat man dann mit etwas Glück bereits einen Korb voller Nachkommen, die im nächsten Jahr ebenfalls blühen werden.

Was für einen Boden oder was für ein Substrat brauchen Pleionen?

Pleionen sind völlig anspruchslos, was den Boden beziehungsweise das Substrat angeht. In der Natur wachsen sie auf sumpfigen, lockeren Waldboden, oft an Stellen, wo sich vermodertes Laub sammelt und immer feucht ist.

Man kann ein handelsübliches Orchideensubstrat nehmen und dieses mit Spagnummoos oder Kiefernadeln aus dem Wald (nicht die frischen, sondern die erdigen vom Boden) veredeln. Ein bisschen Lehm oder Sand schaden auch nicht. Wichtig ist, dass das Substrat gut Feuchtigkeit hält und nicht zu schnell abtrocknet.

Sind Pleionen winterhart?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Naturformen sind eher zum Auswildern geeignet als Zuchtformen – wobei die Tongariro auch als unverwüstlich gilt. Pleione formosana und Pleione limprichti findet man immer wieder im Netz als Beispiel für winterharte Tibetorchideen.

Ich denke, es kommt vor allem darauf an, wo man wohnt: im milden Weinanbaugebiet ist die Aussicht auf Erfolg sicher größer als in den Alpen oder anderen Gebieten mit strengen Winterfrösten. Es ist aber nicht nur der Frost, sondern auch der ständige Niederschlag, der unseren Pleiones zu schaffen macht. Darum sollten Außenbestände unbedingt mit einer Abdeckung vor Nässe geschützt werden. Diese muss aber luftig genug sein, damit nichts darunter fault.

Das muss jeder selbst wissen, wie er es handhabt – ich hole meine Pleionen lieber rein.

P. Ueli Wackernagel "Perl"
P. Hybride

Pleione: Was für Sorten gibt es eigentlich?

Die bekanntesten Formen bei uns in Deutschland sind wohl P. formosana (Naturform) und Pleione Tongariro (Zuchtform: P.Versailles x P.formosana). Insgesamt gibt es etwa 17 verschiedene Naturformen und daraus eine unübersichtlich große Menge an Hybriden.

Die Hauptfarbe ist pink, gefolgt von weiß. Mittlerweile gibt es aber auch gelbe, orange, braune und sogar rote Pleionen. Nur blaue sind mir nicht bekannt – aber wer weiß, was uns die Züchter noch alles bescheren.

Wo kann man Pleiones kaufen?

Man muss schon großes Glück haben, um Pleionen im Angebot der Gartencenter oder Baumärkte zu finden. Auf Orchideenausstellungen ist die Aussicht auf Erfolg deutlich höher. Man kann es auch über Ebay versuchen oder sich aus England einen Katalog zuschicken lassen und dort bestellen.

Aus meiner bescheidenen Sammlung biete ich im Januar Newsletter blühfähige Bulben und noch nicht blühfähige Bulbillen an. Wer Interesse daran hat, kann sich gerne für den Newsletter anmelden.

Fotos: privat, die meisten zeigen Exemplare aus meiner eigenen Sammlung.

Alle meine Pleionen zeige ich in diesem Beitrag: Pleionen.

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